Zu Gast bei Freunden – die Kickers bei den Sportvereinen der Stadt

Nach Basket- und Wasserball war gestern der Frauenfussball an der Reihe. Anlaß war der Auftritt von Bayer Leverkusen, immerhin Tabellennachbar der Turbinen. Die Anreise gestaltete sich äußerst entspannt, ganz im Gegensatz zu Männer-Bundesligaspielen. Das einzige Ärgernis waren die Nachwuchskicker des SVB 03, die uns, auf dem Fahrrad unterwegs, aus ihrem sicheren Bus anpöbeln mußten.  Vor dem Stadion keinerlei Polizei, innerhalb von wenigen Minuten war man im Stadion und auf der Tribüne. Der Sprößling wollte einen Sitzplatz und so wurden wir in die Nähe der Turbine-Ultras platziert, wo sich auch ein paar wenige andere Fans der Welkselfen einfanden. Die Partie begann pünktlich und Bayer in den ersten drei Minuten mit gefühlt 80% Ballbesitz. Der erste Angriff des zuletzt arg schwächelnden Gastgebers führte gleich zum Tor – glücklicherweise entschied das Schirikollektiv auf Abseits. Aber Turbine wurde jetzt ihrer Favoritenrolle gerecht, übernahm die Partie, ohne aber Gefahr ausstrahlen zu können. Auch die zahllosen Standarts brachten nichts ein. Nach etwa 20 Minuten wurden die Werkselfen etwas mutiger, trauten sich öfter in die Turbine-Hälfte. In der 24. Minute wurde eine Ecke quasi hergeschenkt und als Quittung mußten sie den Rückstand hinnehmen. Der FFC machte es im Gegenzug nämlich besser, die erst 18jährige slowenische Nationalspielerin Sara Agrez köpft zum 1:0 ein. Das Spiel danach halbwegs ausgeglichen, die Turbinen konnten ihre Schnelligkeitsvorteile nicht nutzen, Bayer kämpfte sich ins Spiel zurück und traf innerhalb von fünf Minuten zweimal. Allerdings war die unterirdisch schlechte Assistentin (nie auf Ballhöhe und eher ratend, als entscheidend – was den FFC nach der Pause auch traf) der Meinung, jeweils die Fahne heben zu müssen. Beim ersten Mal schon eine knappe Geschichte war die zweite definitiv falsch, als der Ball von einem Turbine-Köpfchen in den Lauf der Werkselfe verlängert wurde. So blieb es beim 1:0 zur Pause, auch weil Turbine-Schlußfrau Vanessa Fischer zweimal glänzend parierte.

Zum Wiederanpfiff kehrten nur noch 10 Bayer-Mädels auf den Rasen zurück, kurz vor der Halbzeit gab es noch Gelb/Rot für Leverkusen. Eine durchaus vertretbare Entscheidung. Aber wer nun darauf setzte, daß Turbine ihren Jahr für Jahr gegen den Abstieg kämpfenden Gast gnadenlos abschießt, sah sich getäuscht. Das Spiel der enttäuschend in die Saison gestarteten Potsdamer Mädels sah zwar über weite Strecken gefällig aus, Gefahr konnten sie aus ihrer läuferischen und numerischen Überlegenheit nur selten ausstrahlen. Und wenn es einmal brenzlig wurde, klärte Bayer-Schlußfrau Anna Klink, vor allem gegen Anna Gasper und Lara Prasnikar durfte sie einige Male glänzen. Auffällig in diese Phase auch Nina Ehegötz, die ihre Kolleginnen immer wieder gut in Szene setzte. Je mehr sich das Ende der Partie näherte, um so mehr schlich sich das große Flattern in die Reihen der blau gedreßten Gastgeberinnen – Turbine wurde immer nervöser, Bayer immer stärker. Nichts zu sehen von der Unterzahl, sie kämpften um den Punkt und trafen in der 80. Minute ein drittes Mal. Und wieder wurde auf Abseits entschieden – ob zurecht oder nicht, konnte der Autor aus seiner Position nicht sehen. So zitterte sich Turbine zum ersten Sieg seit über sechs Wochen, ein „Befreiungsschlag“, wie anschließend überall zu lesen war. Es wäre ihnen gegönnt, die junge Mannschaft hat sicher mehr drauf, als sie gestern gezeigt hat. Den Gästen aus Leverkusen wünschen wir viel Glück im Kampf gegen den Abstieg, mit der kämpferischen Einstellung vom Spiel gegen den FFC sollte das kein Thema sein.

Am Ende stellt sich natürlich die Frage nach dem Unterschied zwischen Männer und Frauenfußball. Auf dem Platz auffällig, daß keine Entscheidung der Schiedsrichterin diskutiert wurde – sehr wohltuend. Selbst die kniffligen oder gar völlig falschen Abseitsentscheidungen wurden kommentarlos hingenommen. Minuspunkte gibt es für das Miteinander auf dem Platz – kaum Entschuldigungen nach einem Foul, kein Abklatschen o.ä.. Da wurde dann doch ein wenig das Zicken-Klischee bedient. Auf der Tribüne ging es natürlich gesitterter zu als bei den Männern, wobei sich der Autor bei einigen Kommentaren der weiblichen und männlichen Turbine-„Ultras“ an die Reisen mit der Zweeten übers Land erinnert fühlte – dort hört er ab und an ähnliches.