Zerrüttete Beziehung – der Ex ärgert die Zweete

Der Kater läßt das mausen nicht, der Affeldt nicht das Tore schießen – selbst im hohen Alter. „Torbinho“, mit 148 Treffern immer noch einer der drei besten Torjäger der Kickers-Männer, sorgte fast im Alleingang dafür, dass die Zweete, für die er selber in sieben Spielzeiten immerhin 35 Tore erzielte, schon zur Pause fast aussichtslos zurück lag. Allerdings machte es ihm sein Ex-Verein auch nicht wirklich schwer – den Kickers gelang lange fast gar nichts, lediglich kurz vor der Pause machten sie ihrem Anhang noch etwas Hoffnung.
Im Vergleich zur Derbypleite gegen den Stadtrand mußte, oder durfte, Trainer Mißling im ersten Duell mit der Studierendenvertretung seit 27 Jahren auf fünf Positionen umstellen, konnte dennoch eine nominell schlagkräftige Truppe aufs Feld schicken. Neben Senger, der nach siebenwöchiger Verletzungspause wieder dabei war, kehrten die älteren Tuczek und Schneider sowie Brandenburg und William zurück in die Startelf.

Vielleicht war die Nacht zuvor doch etwas kurz, dem einen oder anderen der Spielbeginn, gefühlt kurz nach Sonnenaufgang, noch zu früh oder vielleicht stellte man sich die Aufgabe gegen den punktgleichen Kontrahenten etwas einfacher vor. Oder vielleicht waren es auch ganz andere Gründe, die dafür sorgten, dass die Kickers mal so gar nicht ins Spiel fanden. Und das über weite Strecken der gesamten Partie. Kämpferisch war den Jungs, bis auf wenige Ausnahmen, kein Vorwurf zu machen – spielerisch aber war es ein Offenbarungseid. Der darin gipfelte, dass quasi jeder Anstoß sofort abgeschenkt wurde.

Um es kurz zu machen: der USV, der vor allem über den schnellen, sehr agilen und spielfreudigen Silatsa immer gefährlich war, hatte von Beginn an die besseren Möglichkeiten. Bevor Fischer in der 22. Minute aus 20 Metern den Führungstreffer erzielte, scheiterte Stoltzmann bereits zweimal aus guter Position an Senf. Nur gut 70 Sekunden nach dem 1:0 begann der ober erwähnte Auftritt von Affeldt, der innerhalb von neun Minuten dreimal traf. Ein viertes Tor, zwei Minuten nach dem 4:0, blieb ihm verwehrt, diesmal konnte Senf, der bei den Treffern zuvor keine Chance hatte, parieren. Mit der deutlichen Führung im Rücken schaltete der USV zwei Gänge zurück, die Kickers konnten vor der Pause noch etwas Ergebniskosmetik betreiben. Erst verwandelte Höhne eine Ecke von William per Kopf, dann traf Berker aus 30 Metern zum Pausenstand.

Mit Kniebühler kam zur zweiten Hälfte etwas mehr Dynamik auf die rechte Seite, Erfolgserlebnisse brachte das aber leider vorerst nicht. Die besseren Möglichkeiten hatte weiter der USV, Oldie Senf allein sorgte dafür, dass es am Ende nicht zweistellig wurde, glänzte gegen Stoltzmann und Kulis. Letzterer leitete mit einem Traumpaß die Entscheidung ein, Fischer verwandelte aus 16 Metern zum 5:2.

Die Kickers hatten sich nach dem Wechsel in die Partie zurückgekämpft, sahen gegen einen im Schongang spielenden Gegner zumindest gleichwertig aus. Bis in die Schlußphase, als der „Unparteiische“ meinte, mal etwas für Stimmung sorgen zu müssen. Was genau den Mann in schwarz dazu trieb, erschließt sich dem Autor auch mit Abstand noch nicht. Im besten Fall hat er einen genauso beschissenen Tag erwischt wie die Zweete. Die bis dahin faire Partie wurde jetzt hektischer, der gute Mann zeigte leider nicht nur bei der Kartenverteilung klare Sympathien für die eine Seite, auch seine Handspielsensorik schien kurz ausgefallen zu sein. Während der USV Glück hatte und ohne Strafstoß davon kam, erkannte er auf der anderen Seite plötzlich aus heiterem Himmel ein Handspiel, entschied, zum Erstaunen aller Spieler, auf Elfmeter und schickte in der Folge auch noch „Sünder“ Tuczek vom Platz. Kulis nahm das Geschenk an, verwandelte zum 6:2. Nachdem Brandenburg aus 20 Metern nur die Latte traf und Kniebühler aus 16 an Hubmann scheiterte, erzielte Fischer mit seinem dritten Treffer das 7:2. Den Schlußpunkt setzten die Kickers in der 89. Minute. Kniebühler verlängerte einen Einwurf per Fallrückzieher, Berker drosch die Kugel am langen Pfosten zum Endstand ins Netz.

Derbys sind in dieser Saison (noch) nicht das Ding der Zweeten – ein Punkt und 8:21 Tore resultierten aus den bereits gespielten fünf lokalen Duellen. Zum Glück stehen in den nächsten vier Woche keine an, die Chance auf den einen oder anderen Punkt besteht also. Am kommenden Wochenende geht es zur neugebildeten Spielgemeinschaft Ragösen/Wollin/Glienecke, die gegen den USV nur 3:4 unterlag und gegen Juventas 4:2 gewinnen konnte. Trotz ihres momentanen Tabellenstandes ist die Mannschaft um die ehemaligen Kreisligisten aus Ragösen und Wollin also nicht zu unterschätzen.

Der USV spielt bereits am Vormittag gut 12 km südlicher bei Borussia Belzig II.

Kickers II: Senf – Mißling, E.Tuczek (73. G/R), Höhne /V (65. Lipowski), Hg.Schneider /V – Nguyen (46. Kniebühler), Berker, Hk.Schneider, William – Brandenburg – Senger (82. Bkhetan)

Tore: 1:0 Fischer (22.), 2:0, 3:0, 4:0 Affeldt (23., 30., 32.), 4:1 Höhne (36./William), 4:2 Berker (45./William)  /  5:2 Fischer (62.), 6:2 Kulis (73./HE), 7:2 Fischer (82.), 7:3 Berker (89./Kniebühler)