Coronapause – nicht bei uns

Für die nächsten Wochen ist aller Spielbetrieb eingestellt. Wir nutzen die Zwangspause, um auf die Zeiten zurückzublicken, in denen Covid, Corona und Lockdown noch nicht einmal im Duden verzeichnet waren und machen weiter mit den „Umzugsjahren“ 1998 bis 2002.
Das letzte Jahr im Stadion begann mit einem 0:0 im ersten Spiel der 1.KK gegen Absteiger Blau/Weiß 90 Potsdam. Mit Stephan Ranz, Andreas Große, Ronny Senger und Sascha Glanz standen vier Gründungsmitglieder auf dem Platz, der bald nicht mehr vorhanden sein sollte. Der Abriß des Stadions war beschlossene Sache, er begann mitten in der Saison. Die Kickers spielten ihre bis dato beste Saison, während ihr Stadion um sie herum in Schutt und Asche gelegt wurde. Der D-Jugend-Meister des Vorjahres

holte eine Altersklasse höher ebenfalls den Titel und stieg als erstes Kickers-Team in die Landesklasse auf. Bei den B-Junioren begann das vierjährige Finaltrauma von Trainer Stephan Ranz. Seine Jungs wurde Staffelsieger und zogen ins Pokalfinale ein, scheiterten aber sowohl in der Meisterrunde als auch im Endspiel in Beelitz am Werderaner FCV. Ein Jahr später vermasselte Blau/Gelb Falkensee die Titelträume der B und 2002 schließlich verlor Ranz die Finalspiele der A- (gegen Wachow/Tremmen) und B-Junioren (gegen Lok Seddin) knapp. Schadlos hielt er sich mit dem Pokalsieg der B.

Auf dem Platz konnten die Kickers also feiern. Neben den Erfolgen der A und B sowie den starken Leistungen der C im Land gelang der D der Staffelsieg 2001 und ein Jahr später wurden D- und E-Junioren als Kreisliga-Aufsteiger Vizemeister und Meister. Letztere, die E, mit dem heutigen Hansa-Profi Jan Löhmannsröben.

Damals übrigens schon für die Kickers aktiv waren z.Bsp. Erik Tuczek und Willi-Peter Höhne (beide seit 1997 im Verein) sowie Lars Tuczek, Jakob Drebenstedt (beide 2000) und David Berker (2001).

Abrißarbeiten während der Saison

Abseits des grünen Rasens aber war nichts mit eitel Sonnenschein. Aus dem Stadion mußten die Kickers ausziehen, verabschiedeten sich mit einem Stadionfest von der historischen Stätte, die dem „Lustgarten“ im Weg war. Den BUGA-Verantwortlichen und den das alte Potsdam liebenden Stadtverordneten war das Stadion, für manche historisch vorbelastet, ein Dorn im Auge – da war es egal, dass fast 300 Fußballer sowie andere Sportler auf der Straße standen. Denn der an der Kirschallee geplante Ersatzplatz war noch nicht einmal im Bau. So mußten sich die Kickers im Sommer 1999 kümmern, tourten durch die Stadt, um Plätze zu akquirieren und mit der Stadt Nutzungsverträge auszuhandeln.

In der Saison 1999/2000 waren die Mannschaften im gesamten Stadtgebiet verteilt, vom Luftschiffhafen bis zum Kirchsteigfeld, vom Schlaatz über das Karli bis zur Glienicker Brücke bei Lok. Dass der Verein  nicht auseinanderbrach lag neben der wohl immer noch vorhandenen

Die Kirsche 1999 (MAZ)

„Gründermentalität“ am Engagement der Verantwortlichen und auch vieler Eltern, die dem Verein die Treue hielten, trotz des zum Teil höheren Aufwandes mit Fahrten quer durch die Stadt.

Im Juni 2000 wurde dann schließlich der Sportplatz Kirschallee eingeweiht, vor allem für die Männer nicht ohne Schockmoment – die Größe des Platzes war doch arg gewöhnungsbedürftig. Aber die Kickers gewöhnten sich an „ihren“ Platz, paßten zum Teil ihre Taktiken an und waren in den nächsten Jahren äußerst erfolgreich, erarbeiteten sich einen guten Ruf in der Stadt und im Land ; auch wenn vor allem die Großfeldgegner immer noch nicht gern auf die „Kirsche“ kommen. Verständlich, aber es war nun mal nicht zu ändern.

Zu ändern war offensichtlich aber das Versprechen der Verantwortlichen vom „Entwicklungsträger“, die dem Verein großspurig ein Sozialgebäude versprachen, welches plötzlich nicht mehr im Plan war. Dass sich in der Stadt Potsdam nicht viel geändert hat, was Prioritäten angeht, ist heute noch spürbar, Kirchen und Schlösser sind wichtiger als Schulen und Sportanlagen.

Vor 22 Jahren gehörten die Kickers zu den ersten Fußballvereinen der Stadt, die sich in diesem neuen „Internet“ präsentierten. Unter http://members.aol.com/kickers94 gab es anfangs vier Seiten mit Neuigkeiten um den Verein, Ende 1998 waren es bereits über 40 Seiten mit Statistiken zu allen Mannschaften und der Kickers-Geschichte. Zu den Spielen der Männer in der 1.KK gab es jetzt auch ein kleines „Stadionheft“ mit Infos zu Gegnern und Ergebnissen aller Kickers-Teams.

Im Sommer 1998 fuhren A- und B-Junioren per Bus zu einem Turnier nach Llorett de Mar. Das Turnier geriet natürlich schnell zur Nebensache, dafür waren die Versuchungen zu groß. In Erinnerung blieben nicht die dürftigen Ergebnisse, aber der Besuch im Camp Nou in Barcelona.

Im Herbst legte C-Junior Jan Seidel erfolgreich seine Schiri-Prüfung ab und begründete damit seine äußerst erfolgreiche Laufbahn, die ihn in Bundesliga und internationale Wettbewerbe führte.

Vor der Nutzung des Sportplatzes Kirschallee konnten die Kickers Anfang 2000 schon die Sporthalle nutzen, damit begann vor 20 Jahren auch die Geschichte unserer Gymnastik-Damen, die mit Karin Plötner damals unter das Dach der Kickers kamen, sowie der Freizeit-Fußballer. Etwas später kamen auch die Volleyballer hinzu.

Einen fast kompletten personellen Umbruch im Vorstand gab es auf der Mitgliederversammlung im Januar 2002. Ralf Senger und Dagmar Witt, die Vorsitzenden der ersten Stunde, schieden ebenso aus wie Jacqueline Senger und Jürgen Kumberg. Neben Sylvio Posselt und Rainer Röder als Vereinsvorsitzende wurde Anja Hallas neue Finanzchefin, Stephan Ranz Nachwuchsleiter und Karin Plötner Vertreter der Freizeitabteilung.

Die sportlichen Erfolge der Kickers von 1998 bis 2002:
1998    Kreismeister D-Junioren, Staffelsieg & Aufstieg in die 1.KK Erste Männer
1999    Kreismeister C-Junioren, Staffelsieg, Pokalfinale B-Junioren
2000   Staffelsieg B-Junioren
2001    Staffelsieg D-Junioren, Kreisliga-Aufstieg D- & E-Junioren
2002   Kreismeister E-Junioren, Pokalsieger B-Junioren, Staffelsieg A- & B-Junioren

Ronny Senger (Foto Jan Kuppert)