Zu Besuch bei Freunden – es gibt ein Sport neben dem Fußball

Die meisten Kickers-Teams haben Winterpause. Manche spielen noch Hallenturniere, einige erholen sich schon (soweit man das in der Vorweihnachtszeit kann) und der eine oder andere schaut sich beim Potsdamer Ballsport um. Da gibt es die allseits bekannten wie Volleyball, Handball oder Football, aber auch eher vernachlässigte (zumindest in Potsdam) wie z.Bsp. Basketball.

In diesem Fall, familiär bedingt, den der Frauen. Das erste Spiel des Sprösslings stand an, also mußte man sich als größter Fan, der man als Vater natürlich ist, auf die Partie vorbereiten. Das begann mit der Suche nach bisherigen Ergebnissen. Wenn man an die Einfachheit von fussball.de gewöhnt ist, benötigt man etwas Hilfe von google & Co. Einfach wäre basketball.de, aber da findet man (naheliegend (?)) eher Schlagzeilen und Ergebnisse aus der NBA. Deutscher Basketballbund? Ebenfalls Fehlanzeige. Komplizierter Aufbau, zumindest für Außenstehende und (auf den ersten Blick) auch nur Statistiken für Ligen, die direkt dem DBB unterstehen. Eine Suche nach dem Vereinsnamen ergab kein Ergebnis. Beim brandenburger Baskettballverband wurde der fußballverwöhnte Suchende dann fündig. Erste Überraschung – das Kind spielt in der Oberliga. Gewöhnt an die sieben Ligen mit unzähligen Staffeln allein im Landesfußball, blickt man zunächst überrascht auf die Übersichtlichkeit. Es gibt in Brandenburg ganze vier Staffeln für die Erwachsenen sowie neun für den Nachwuchs ; die Frauen spielen mit fünf Teams in der Oberliga, die Herren mit immerhin 29 in Ober-, Landes- und Bezirksliga.

Die Mädels des SC Potsdam spielen also Oberliga, haben bisher vier Spieltage absolviert. Gegen die WSG aus KW gab es eine 10:86-Niederlage, in Woltersdorf konnten sie nicht antreten (0:20) und gegen die WSG aus Fürstenwalde unterlagen sie zuletzt 26:108. Am Sonntag ging es gegen den Tabellenzweiten vom BBC Cottbus, das Hinspiel wurde 10:134 verloren. Trainer Marko standen lediglich fünf Spielerinnen zur Verfügung, eine Herkulesaufgabe gegen den gut aufgestellten Favoriten. Dieser machte bereits vor Anpfiff nicht nur zahlenmäßig, sonder auch athletisch einen etwas stärkeren Eindruck. Und vor allem körperlich – kein Wunder, die Potsdamer Mädels waren zwischen 15 und 20 Jahre alt, ihre Gäste ein paar Tage älter. Vereinzelt auch ein paar Tage mehr. Punkt 15:00 Uhr ging es los, das erste Basketball-Livespiel des Autors.

Für den folgenden Spielbericht möchte sich dieser schon in Vorfeld bei allen Beteiligten entschudligen. Er entstand aus Sicht eines Fußballtrainers ohne jegliche Sach- und Fachkenntnis im Basketball. Außer, daß das Runde ins Runde muß und es dafür ein bis drei Punkte gibt. Die Mädels des SCP standen von Anpfiff an auf verlorenem Posten, Cottbus ging sofort in den Angriffsmodus und führte sehr schnell sehr deutlich. Die Spielstandsanzeige war noch eine Weile auf Seiten der Gastgeberinnen, es stand minutenlang 0:6. Bis daraus nach Hinweis eines der beiden Schiedsrichter in Sekundenbruchteilen ein 0:18 wurde. Den Potsdamerinnen mangelte es vor allem an etwas Aggressivität, besonders unterm Korb. Sie waren zu lieb und nett, die rotgedressten Mädels aus der Lausitz konnten machen, was sie wollten, trafen ungestört fast im Sekundentakt. Die jungen Damen des SC verfingen sich in Einzelaktionen, liefen zu wenig, spielten zu wenig miteinander, um sich das eine oder andere Erfolgserlebnis zu verschaffen. Sie kamen kaum einmal in die Nähe des Korbes, kaum zu Abschlüssen. Sekunden vor Ende des ersten Viertels trafen sie dann zu ersten Mal, nach zehn gespielten Minuten stand es 2:46. Noch ärger wurde es im zweiten Viertel. Obwohl sich die Potsdamerinnen tapfer wehrten, endete dieses gar mit 0:57. Die Mädels aus Cottbus ließen nicht nach, ließen ihren hoffnungslos unterlegenen Kontrahentinnen auch im dritten Viertel ihre Angriffsmacht spüren, gewannen dieses mit 60:2. Das letzte Viertel konnten die schwarzgekleideten SC-Mädels ein klein wenig freundlicher gestalten, unterlagen „nur“ 2:56. Und das in Unterzahl, nachdem ihre zentrale Figur nach fünf Fouls (der Fußballer stellte sich die Frage „wo waren da fünf Fouls ?“)  vorzeitig vom Platz mußte. Die Körbe der heimischen Mädchen wurden vom spärlichen Anhang laut bejubelt, leider blieb es am Ende bei den 6. Auch, weil das Nesthäckchen ihre zwei Freiwürfe nicht versenken konnte.

Am Ende stand es 6:219, eine bittere Lehrstunde für die SC-Mädels. Dem fußballgeschädigten Betrachter blieben am Ende viele Fragen. Die nach dem Sinn dieser Spiele ist es nicht. Die Mädchen brauchen Spielpraxis und da helfen selbst solche Debakel. Bei einem so dünnen Netz an Mannschaften kann eine Leistungsdichte nicht gegeben sein, diese Erfahrung hatten wir bei den Kickers mit unseren Fußballfrauen ja auch. Fragen bleiben dem, zugegebene nicht neutralen, Zuschauer zu Thema Fairplay. MUSS man bei so einer Überlegenheit bis in die letzte Sekunde so aggressives Forechecking spielen? Vor allem – MUSS man das als Trainer vehement fordern? Beim Fußball durfte der Autor schon öfter erleben, daß bei Überzahl Spieler vom Feld genommen wurden, um wieder für gleiche numerische Verhältnisse zu sorgen. Ist das beim Basketball nicht erlaubt? Wenn ja – warum konnte sich Cottbus bei fast 200 Punkten Vorsprung nicht dazu überwinden?

Dem Autor bleibt abschließend nur, den Mädels des SC viel Erfolg für die letzten Spiele zu wünschen, ihnen und ganz besonders auch den Trainern seinen allergrößten Respekt zu zollen. Auch außerhalb der Fußballblase gibt es viele fleißige Ehrenamtliche, die sich jede Woche und vielen Wochenende um die Ohren schlagen, damit sich Jungs und Mädchen ihrem Lieblingssport widmen können. Beim Basketball sind es zu wenige, die ihn ausüben, deshalb gibt es solche Ergebnisse, die nicht unbedingt der Motivation dienen. Es bleibt die Hoffnung, daß sich die personelle Situation für die nächsten Spiele wieder entspannt. Am 16.12. müssen die Mädels nach Königs Wusterhausen, am 06.01. folgt das letzte Heimspiel gegen die SG Woltersdorf. Im Kellerduell würden sich die Mädels sehr über Unterstützung freuen. Das letzte Spiel ist Ende Januar bei der noch ungeschlagenen WSG Fürstenwalde.

 

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